Volker Schweer Fachanwalt für Familienrecht & Verkehrsrecht

Unfallschadenregulierung

Einführung
Was wird ersetzt?
Einzelne Schadenpositionen
Reparaturkosten
Mietwagenkosten
Nutzungsausfall
Sachverständigenkosten
Anwaltskosten
Weitere Schadenspositionen

Einführung
Kommt es im Straßenverkehr zu einem Unfall, stellen sich die Unfallbeteiligten, sobald der erste Schock verflogen ist, die Frage, wer für die entstandenen Schäden haftbar zu machen ist. Einerseits haftet natürlich derjenige, der schuldhaft den Verkehrsunfall verursacht hat, also nicht die Sorgfalt aufgewendet hat, die von einem Autofahrer in der konkreten Situation hätte erwartet werden können. Andererseits wird durch jedes in den Verkehr gebrachte Fahrzeug eine Gefahr gesetzt, die, so sie sich verwirklicht, Ansprüche gegen den Halter des Fahrzeuges bzw. gegen die dahinterstehende Haftpflichtversicherung auslöst. Dadurch kann man sich bezüglich der Schadenregulierung manchmal direkt an 3 Personen halten, an den Fahrer des Fahrzeuges, den Halter sowie an die Haftpflichtversicherung. In der Regel empfiehlt es sich, sich ausschließlich an die gegnerische Haftpflichtversicherung zwecks Schadloshaltung zu wenden. Lediglich soweit es im Rahmen der Schadensabwicklung zu Problemen mit der Haftpflichtversicherung kommt, diese den Schaden möglicherweise nicht aufgrund nicht eindeutiger Sach- und Rechtslage ausgleichen will, empfiehlt es sich ggf., im Rahmen des dann anstehenden Klageverfahrens aus prozesstaktischen Gründen den Führer des Fahrzeuges sowie den Halter des Fahrzeuges mit zu verklagen. Lässt sich ein Klageverfahren nicht vermeiden, sollte ein Rechtsanwalt mit der Durchsetzung der Ansprüche beauftragt werden.

Selbst wenn ein Verkehrsunfall auf den ersten Blick allein auf das Verschulden eines der Unfallbeteiligten zurückzuführen sein mag, steht regelmäßig die Frage des Mitverschulden des anderen Unfallbeteiligten im Raum. Abgestellt wird hierbei auf die Sorgfaltspflicht eines idealen Kraftfahrers. Stellt der Unfall ein sogenanntes „unabwendbares Ereignis“ dar, besteht keine Mithaftung. Oftmals wird man Schwierigkeiten haben darzulegen, dass der Unfall für einen selbst zu 100% unvermeidbar gewesen ist. Ein idealer Fahrer wird sich in der konkreten Situation stets umsichtiger verhalten haben und die Gefahrensituation vorausgesehen haben. Da wir jedoch alle nur Menschen sind und es diesen Idealfahrer im Prinzip nicht gibt, kann das Mitverschulden oft zurücktreten, da dieses im Verhältnis zum Verschulden des anderen Unfallgegners nicht entscheidend ins Gewicht fällt.

Was wird ersetzt?
Kurz gesagt, ist der Geschädigte so zu stellen, wie er vor dem Unfallereignis gestanden hat. Neben dem eigentlichen Schaden sind auch die Kosten der Rechtsverfolgung, insbesondere die Anwaltskosten zu ersetzen.

Einzelne Schadenpositionen
Nachfolgend ein kleiner Ausschnitt aus den zu ersetzenden Schadenspositionen:

Reparaturkosten
Lässt der Geschädigte die unfallbedingten Schäden reparieren, sind die Reparaturkosten zu ersetzen. Schwierigkeiten können insoweit auftreten, wenn der Geschädigte sein Fahrzeug nicht in einer autorisierten Werkstatt hat reparieren lassen und die Kosten außerhalb des Rahmens liegen, den der Sachverständige festgestellt hat. Eine Pflicht zur Reparatur besteht nicht. Der Geschädigte kann auch auf Gutachtenbasis abrechnen, er erhält jedoch nach dem neuen Schadensersatzrecht, das seit dem 01.08.02 gilt, dann nicht die im Sachverständigengutachten veranschlagte Mehrwertsteuer. Mehrwertsteuer wird nach neuem Recht nur dann gezahlt, soweit die tatsächlich angefallen ist.

Liegt ein sogenannter wirtschaftlicher Totalschaden vor (Kosten der Reparatur liegen höher als der Wiederbeschaffungswert) kann der Geschädigte für die Reparatur des Fahrzeuges nur die Kosten ersetzt verlangen, die einschließlich eines etwaigen Minderwertes den Wiederbeschaffungswert bis zu einer regelmäßig auf 130 % zu bemessenden „Opfergrenze“ übersteigen. Beispiel: Liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor und ist der Wiederbeschaffungswert mit € 10.000,– bemessen, liegt der erlaubte Reparaturaufwand bei € 13.000,– (130 % von € 10.000,–).

Mietwagenkosten
Wird das beschädigte Fahrzeug repariert, hat der Geschädigte für die Zeit der Reparatur Anspruch auf Ersatz etwaiger angefallener Mietwagenkosten. Bevor man ein Ersatzfahrzeug mietet sollte man jedoch sicher gehen, dass die Kosten tatsächlich erstattet werden. Denn aus der Schadensminderungspflicht des Geschädigten ergibt sich oftmals, dass die Kosten für einen Mietwagen dann nicht ersetzt werden, wenn dem Geschädigten z.B. zugemutet werden kann, ein Taxi zu nehmen oder wenn er einen Mietwagen tatsächlich nicht benötigt. Bezüglich dieses Punktes sollte man den Rat seines Anwaltes einholen. Zu berücksichtigen ist auch, dass bei Anmietung eines Ersatzfahrzeuges in der Regel etwa 15 % Eigenkosten angesetzt werden, die der Geschädigte selbst zu tragen hat.

Nutzungsausfall
Wird ein Ersatzfahrzeug für die Dauer der Reparatur nicht angemietet, hat der Geschädigte gleichwohl einen Anspruch auf Nutzungsausfallentschädigung, die für den Zeitraum der Reparatur bzw. für die Zeit die für die Wiederbeschaffung eines Ersatzfahrzeuges benötigt wird, gezahlt wird. Die Höhe der Nutzungsausfallentschädigung, die pro Tag gewährt wird, hängt hierbei vom Typ des beschädigten Fahrzeuges ab. Nutzungsausfall wird nur gewährt, soweit der Geschädigte das Fahrzeug tatsächlich hat reparieren lassen und die Reparatur entsprechend auch nachgewiesen hat. Wird eine Selbstreparatur durchgeführt, kann die Durchsetzung einer Nutzungsentschädigung problematisch werden.

Sachverständigenkosten
Der Geschädigte kann zur Feststellung des Umfanges des entstandenen Schadens einen Sachverständigen beauftragen. Die Kosten hat die gegnerische Versicherung zu tragen. Auf einen hauseigenen Sachverständigen der Versicherung braucht sich der Geschädigte nicht verweisen zu lassen.

Ist der Schaden offensichtlich sehr gering, so kann es jedoch ein Verstoß gegen die Schadenminderungspflicht darstellen, wenn der Geschädigte ein teures Sachverständigengutachten einholen lässt. Wenn der Geschädigte bei einem Bagatellschaden ein Sachverständigengutachten in Auftrag gibt und die dadurch entstehenden Kosten außer Verhältnis zu dem entstandenen Schaden stehen, ist die Versicherung ggf. nicht verpflichtet, diese Kosten zu ersetzen. Eine starre Grenze, wann man von einem Bagatellschaden spricht, gibt es nicht. Teilweise wird ein Bagatellschaden noch angenommen, wenn die Reparaturkosten bei etwa € 500,– bis € 600,– liegen. Im Zweifel sollte man den Schaden in einer Fachwerkstatt vorab schätzen lassen.

Anwaltskosten
Die Versicherung des Unfallgegners hat auch die Kosten zu ersetzen, die aufgrund der Durchsetzung der Schadensersatzansprüche entstanden sind. Hierzu zählen vor allem die Anwaltskosten. Sofern also der Unfall nicht aufgrund eigenen Verschuldens verursacht worden ist, ist somit auch nicht erforderlich, eine eventuell vorhandene Rechtsschutzversicherung in Anspruch zu nehmen. Die Inanspruchnahme einer Rechtsschutzversicherung bietet sich indes dann an, wenn die Durchsetzung der Schadensersatzansprüche schwierig und die Schuldfrage nicht hinreichend geklärt ist.

Weitere Schadenspositionen
Wie eingangs ausgeführt, handelt es sich bei der Darstellung der vorstehenden Schadenpositionen nur um einen kleinen Ausschnitt. Insbesondere bei zu beklagenden Totalschäden oder hohem Reparaturaufwand fallen oftmals weitere oder andere Kosten an, die zu ersetzen sind.

Sind durch den Verkehrsunfall auch Personen zu Schaden gekommen (z.B. Verdienstausfall), ist selbstverständlich auch dies erstattungsfähig. In diesem Zusammenhang ist als Wiedergutmachung des sog. immateriellen Schadens auch an die Geltendmachung eines etwaigen Schmerzensgeldes zu denken.